Pläne für mehr Natur an Flüssen
Badische Zeitung vom 02. November 2002

Pläne für mehr Natur an Flüssen
Die Gewässerdirektion schätzt die Kosten allein für die Versetzung von Dämmen 
im Landkreis auf rund elf Millionen Euro

KREIS EMMENDINGEN. Die Flutkatastrophe im August hat den Hochwasserschutz ins Blickfeld der Öffentlichkeit gehoben. Dazu gehört auch, dass die Flüsse aus ihrem engen Bett befreit werden, damit die Fließgeschwindigkeit bei starken Niederschlägen gedrosselt und "Land unter" an den Unterläufen vermieden werden kann. Für Flüsse, die in ein enges Bett gepresst sind, sind die Elz und die Dreisam gute Beispiele. Deshalb hat die Gewässerdirektion Pläne entwickelt, die Dämme zurückzuverlegen und den Flüssen "Retentionsraum" zu gewähren.

Doch die Chance für einen Rückbau der Flüsse, ein Stück Rückkehr zum natürlichen Flusslauf, ist nicht ganz billig. Alleine die Kosten für jene Maßnahmen im Landkreis, die dazu dienen, die Dämme zu versetzen, schätzt die Gewässerdirektion auf knapp elf Millionen Euro. Das Geld könnte aus dem Pool des "Grünkonzeptes" der Deutschen Bahn kommen. Die Bahn muss wegen der breiten Schneise, die das dritte und vierte Gleis durch Wald und Wiesen zieht, anderenorts wieder Bäume pflanzen oder Flächen ökologisch aufwerten. Eine Möglichkeit dafür wären die Pläne der Gewässerdirektion.

An der Dreisam oberhalb von Nimburg können sich die Gewässerplaner vorstellen, den Damm an der Ostseite auf gut zwei Kilometer deutlich zurückzusetzen. Betroffen wäre davon die Staatsdomäne im Gewann "See". Damit könnten mehr als 100 Hektar Überschwemmungsfläche geschaffen werden. Früher wurden in diesem Gewann Wiesen bewässert, wovon nur noch wenige Wasser führende Gräben übrig geblieben sind. Hier würde dem Wasser und der damit verbundenen Wiesennatur wieder eine Chance gegeben. Die ökologische Aufwertung im Zuge einer Extensivierung der Landwirtschaft ist auch ein Anliegen der Naturschutzbehörden.

Die Gewässerplaner denken auch daran, der Dreisam innerhalb von neuen Dämmen ihren freien Lauf zu lassen und so wieder zu einer naturnahen Flusslandschaft zu kommen. Grob überschlagen kämen bei diesem Projekt etwa 2,6 Millionen Euro an Kosten zusammen. Nicht viel weniger würde die mögliche Dammrückverlegung an der Elz auf der Gemarkung Riegel kosten. Die Gewässerplaner denken dabei an die Elzauen, die sich von der Autobahnbrücke bis fast zur Kunstmühle erstrecken. Das Gelände gehört zum größten Teil der Gemeinde Riegel. Die Planer können sich auch vorstellen, den Damm auf der Südwestseite bis hin zur Kreisstraße (K 5114) zurückzunehmen. In der so eingedeichten Fläche von 34 Hektar könnte der Auwald ausgedehnt werden. Die Elz dürfte sich frei entwickeln und ein "verzweigtes Gerinne" ausbilden. Neben der ökologischen Aufwertung und der gewonnenen Überflutungsfläche haben die Planer im Blick, den Grundwasserspiegel in diesem Bereich wieder zu heben.

Für die Elz von der Autobahnbrücke bei Riegel einen Kilometer flussaufwärts sehen die Gewässerplaner keine Möglichkeit, die Dämme zu versetzen. Eine gewisse ökologische Aufwertung könnte dadurch erreicht werden, dass man der Elz innerhalb ihres Dammkorsetts mehr Freiräume lässt. Spielraum für die Gewässerplaner besteht vom Baggersee bis zur Elzbrücke in Köndringen. Auf der Teningen zugewandten Elzseite gehören große Flächen der Gemeinde. Indem man hier den Damm um bis zu 140 Meter zurücknähme, könnten 15 Hektar Fläche als Überschwemmungsraum und mehr Natur genutzt werden. Die Gewässerplaner glauben auch, dass damit der Freizeitwert dieses Elzteilstücks steigen würde. Die Kostenschätzungen liegen ähnlich hoch wie bei den anderen Maßnahmen: 2,5 Millionen Euro.

Um einige 100 000 Euro teurer könnte eine ähnliche Vorgehensweise in Emmendingen-Wasser kommen. Dort stellen sich die Gewässerplaner eine Rücknahme der Dämme auf beiden Seiten vor.

Michael Haberer

 


Original-Link: http://www.badische-zeitung.de/1036585097658



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