Röhricht statt Röhre
Badische Zeitung vom 14. November 2002

Röhricht statt Röhre
Projektgruppe der Uni Freiburg schlägt vor, die Dreisam wieder ein Stück natürlicher zu machen

MARCH (mir). Sanft windet sich die Dreisam an March vorbei. Das Wasser hat sich ein Stück Land zurückgeholt, am flachen Ufer spielen Kinder, Pflanzen wuchern auf kleinen Inseln. So sieht es zumindest ein Entwurf zur Renaturierung des geographischen Instituts der Universität Freiburg vor, der am Montagabend den Gemeinderäten vorgestellt wurde. Die standen dem Vorschlag skeptisch gegenüber.

Im Jahre 1817 zwängte der Baumeister Johann Gottfried Tulla im Auftrag des Großherzogs Karl Friedrich die munter mäandrierende Dreisam in ein steinernes Bett. Kerzengerade fließt der Fluss seitdem von Freiburg-Lehen nach Buchheim. Jetzt hat sich eine Projektgruppe am Institut für physische Geographie der Albert-Ludwigs-Universität unter der Leitung von Professor Rainer Glawion Gedanken gemacht, wie man der Dreisam wieder ein Stück weit ihr ursprüngliches Aussehen zurückgeben kann.

Thomas Müller, Mitglied der Projektgruppe, stellte die Idee in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor: Das Dreisamufer zwischen der Umkircher Gemarkungsgrenze und Hugstetten sowie zwischen Buchheim und Neuershausen wird flach abgetragen, der Fluss hat so die Möglichkeit, breiter und flacher zu fließen. Natürliche Schotterablagerungen bilden kleine Inseln im Wasser, auf denen sich Pflanzen ansiedeln. Die Dreisam erhält so ein natürlicheres Gestade, das bei Hochwasser als Pufferzone dient.

Angenehmer Nebeneffekt: Im flachen Ufergebiet könnten Kinder im Wasser planschen. Außerdem sieht ein naturgeschaffenes Ufer einfach besser aus als ein Betonkanal - meinen zumindest die Freiburger Geographen. Das so teilweise renaturierte Gebiet - Teil eines gemarkungsübergreifenden Biotopnetzes - könnte dann als so genannte Ausgleichsfläche im Rahmen des Baus des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn dienen.

Müller zeigte dem Gemeinderat auch einige Skizzen und Zeichnungen, wie die neue alte Dreisam im Bereich March aussehen könnte. Die darin großzügig eingezeichneten neuen Wasserflächen, die beispielsweise über das Gebiet des Hugstetter Waldspielplatzes hinausreichten, gingen manchen Gemeinderäten jedoch zu weit. Besonders Bürgermeister Josef Hügele machte aus seiner Skepsis keinen Hehl: "So unökologisch die Dreisam momentan sein mag, jeder Eingriff bringt Gefahren", warnte er und erinnerte an Eisschollen auf dem Fluss, die sich in den angedachten Inseln stauen könnten.

Zudem ist für den Bürgermeister der angedachte Flächenverbrauch schlichtweg zu groß. Die March besitze eine kleine Gemarkung, gab er zu bedenken. Für jedes Baugebiet, das ausgewiesen werde, müsse die Gemeinde Ausgleichsflächen schaffen, deshalb sei er dagegen, ohne Not solche Flächen zu belegen.

Dem widersprach Hubert Fischer (Grüne): "Der Flächenverbrauch für die B 31 West wurde nie diskutiert", stellte er fest. Er forderte, die Idee weiter zu verfolgen, wobei auch kleinere Varianten akzeptabel seien. Wolfgang Engesser (SPD) sah in dem Entwurf keine Renaturierung sondern "Naturdesign". Er schlug vor, die Idee nicht grundsätzlich zu verwerfen, doch zunächst einmal nähere Informationen des Wasserwirtschaftsamtes einzuholen.



Original-Link http://www.badische-zeitung.de/1037651578124



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