| Neue
Dimensionen im Naturschutz Badische Zeitung vom 15. Februar 2002 |
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Ausgleichsflächen
werden knapp / Das Regierungspräsidium hat einen Arbeitskreis Grünkonzept
Rheintalbahn eingerichtet
MARKGRÄFLERLAND (mwi). Eingriffe in
die Natur sind nach den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes auszugleichen. Der
Gesetzgeber misst diesem Ausgleich einen hohen Stellenwert bei. Fluss-, Bahn- und
Autobahnbauer streiten sich im engen Rheintal nun nicht mehr nur um Platz für ihre
Bauprojekte. Auch ein Run auf die Ausgleichsflächen hat eingesetzt.
Es wird eine der wichtigsten Fragen der zukünftigen Raumgestaltung am Oberrhein sein, wer
welches Bauvorhaben wo ausgleichen darf. Schließlich sind auch die Kommunen an einem
weiteren Wirtschaftswachstum interessiert. Und das ist mit Flächenverbrauch verbunden.
Die Tatsache, dass Nutz- und Ausgleichsflächen nicht mehr in ein stimmiges Konzept zu
bringen sind, zwingt zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten der Ausgleichsregelung, die mit
Chancen und Risiken behaftet sind.
Bisher hat der Gesetzgeber den räumlichen und zeitlichen Rahmen für den Ausgleich eng
gesteckt. Der Ausgleich hatte, wenn möglich, ohne Zeitlücke auf beanspruchtem Gelände
oder in ummittelbarer Nachbarschaft zu erfolgen. Der direkte Schutz seltener Tier- und
Pflanzenarten stand im Vordergrund. Als ein Auto-Rasthof in den Hartheimer Auenwald
geklotzt wurde, musste daneben ein Krötenteich neu angelegt werden.
Nun setzt ein Umdenken ein. Freiflächen, vor allem in Ballungszentren, sind so selten
geworden, dass ihr Erhalt selbst Ziel der Schutzbestrebungen ist. Unter dem Stichwort
Ökokonto können sich Gemeinden Maßnahmen des Natur- und Landschaftsschutzes
auf ein Konto gutschreiben und als Ausgleich für spätere Eingriffe anrechnen lassen.
Auch das Regierungspräsidium Freiburg setzt beim Ausbau der Rheintalschiene auf diese
Strategie. Was nicht entlang der Bahnstrecke ausgeglichen werden kann, soll nun an anderen
Stellen zur Aufwertung von Natur und Landschaft herangezogen werden. Wenn gar kein
Ausgleich möglich ist, muss der Eingriff finanziell entschädigt werden.
Das Geld geht an die Naturschutzstiftung des Landes, von wo es nur mittels mühsamer
Antragstellung und langjähriger Projektgestaltung wieder in die Region zurückgeholt
werden kann. Zur besseren Koordination der Vorschläge von staatlichem und ehrenamtlichem
Naturschutz, Forstverwaltung und Kommunen, hat das Regierungspräsidium den
Arbeitskreis Grünkonzept Rheintalbahn eingerichtet. Mit dabei ist auch Franz
Schneider von der Naturschutzbund (NABU) Kreisgruppe Müllheim. Er bezeichnete die
vorgezogene Beteiligung als eine gute Sache, sind doch Finanzmittel gegeben, die dem
Naturschutz ganz neue Dimensionen auftun. Projekte in noch nicht gekannten Dimensionen
werden nun realistisch.
Der Naturschutz bringt die Teilrenaturierung der kanalisierten Rheinzuflüsse Möhlin,
Sulzbach, Klemmbach und Hohlebach in Spiel. Weitere Projekte beziehen sich auf die
Restrukturierung der ausgeräumten Flur der Niederterrasse zwischen Bad Krozingen, Staufen
und Buggingen sowie Biotopverbundmaßnahmen in der Markgräfler Hügelzone. Hier sind
Feldgehölze nur ausnahmsweise als Windschutzstreifen zu finden.
In Schliengen ist ein naturnaher Ausbau des Hohlebachs mit Rückbau eines Sturzes geplant.
Dieser soll durch eine möglichst flach geneigte Rauhe Rampe ersetzt werden.
Als selbstverständlich wird es angesehen, dass die hohe Bahn-Neutrasse mit entsprechenden
Randbepflanzungen gegen die angrenzenden Ökosysteme abgepuffert wird. Dies dient nicht
nur dem Schutz der Vogelwelt.
Original-Link: http://www.badische-zeitung.de/1014120987929
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