Auch Seltenes ist im Fluss
Badische Zeitung vom 27. März 2003

 

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Badische Zeitung vom Donnerstag, 27. März 2003

Auch Seltenes ist im Fluss
REGIO-WASSERTAGE (2): Stichwort Ökologie: Das Wasser der Dreisam gilt als "mäßig belastet"
Von unserem Mitarbeiter Jens Beutmann

Vor knapp 200 Jahren wurde die Dreisam unterhalb von Ebnet zu einem Kanal umgebaut. Dennoch ist sie bis heute der Lebensraum für zahlreiche Tier-und Pflanzenarten, einige davon sind sogar ausgesprochen selten. Die Wasserqualität der Dreisam ist passabel. Sie wird als "mäßig belastet" eingestuft. Umweltschützer haben eine Reihe von Maßnahmen im Blick, um den Artenreichtum noch zu verbessern.

Auf dem Saprobienindex bekommt das Wasser der Dreisam die Note 1,8. Saprobien sind Kleinlebewesen, die im und auf dem Boden von Gewässern zu Hause sind. Unterschiedliche Arten mögen unterschiedliche Bedingungen. So gibt es Saprobien, die sich in stark verschmutzten Gewässern wohl fühlen, während andere nur in fast unbelastetem Wasser leben. Anhand der in einem Gewässer vorhandenen Arten kann somit die Wasserqualität ermittelt werden. Der Index 1,8 ordnet das Dreisamwasser in die Güteklasse II "mäßig belastet" ein - mit Tendenz zu "gering belastet". In Schulnoten ausgedrückt: zwei bis drei.

"Für den Fischbestand ist die Wasserqualität kein Problem", sagt Gerhard Bartl, Fischereisachverständiger am Regierungspräsidium. Daher findet sich in der Dreisam eine Anzahl von bedrohten Fischarten wie die Eschen. Zwar galt die Dreisam auf Höhe von Freiburg früher als typische Eschenregion, doch diese Fischart ist sehr selten geworden. Häufiger finden sich Bachforellen, die früher weiter flussaufwärts dominierten. Problematisch für viele Fischarten sind vor allem die drei großen Abstürze im Freiburger Stadtgebiet. Ein solcher Absturz findet sich unter der Schwabentorbrücke, dort fällt das Wasser etwa zwei Meter tief. Kein Fisch kann eine solche Sperre flussaufwärts überwinden. Viele Fischarten wandern jedoch große Strecken. So bewegt sich die in der Dreisam vorkommende Barbe um mehrere 100 Kilometer. Auch der früher hier heimische Lachs pendelt zwischen Meer und den Laichgründen in Quellnähe. Unterhalb der Schwabentorbrücke finden sich sechzehn Fischarten in der Dreisam, oberhalb nur vier, sagt Bartl.

"Treppen" helfen den Fischen, an ihre Laichplätze zu gelangen

Daher fordert nicht nur die IG Dreisam, ein Zusammenschluss ökologisch orientierter Angelvereine, den Einbau von Fischtreppen an den großen Abstürzen. Die für die Dreisam zuständige Gewässerdirektion Waldshut bemüht sich darum, bei Wartungsarbeiten die gut 70 kleineren Schwellen leichter überwindbar zu machen, berichtet Thorsten Kowalke. Für die vier größeren Abstürze wären jedoch aufwändigere Bauten nötig. Es gibt bereits eine Fischtreppe am Dreisamwehr in Höhe der Jugendherberge. Die sei allerdings falsch konstruiert und könne daher von den meisten Arten nicht genutzt werden, so Bartl.

Ein Problem für viele Fischarten entsteht auch, wenn im Sommer die Dreisam austrocknet. Das passiert alle drei bis vier Jahre, gerade auf der Höhe von Lehen. Das Problem wird verschärft, weil ein nicht geringer Teil des Flusswassers am Sandfang in den Gewerbekanal abgeleitet wird. Einige Naturschützer fordern daher, mehr Wasser in der Dreisam zu belassen. Dies könnte jedoch dazu führen, dass die Kleinkraftwerke am Gewerbekanal nicht mehr genügend Wasser bekommen, um Strom erzeugen zu können. Bartl hofft daher auf den Bau einer Anlage, die den Wasserfluss am Sandfang automatisch regeln könnte. Gleichzeitig sollte dann ein Gitter eingebaut werden, das größere Wassertiere am Einschwimmen in den Gewerbekanal hindert. Der ist nämlich für viele Fische eine Sackgasse. Ein Teil gerät in die Turbinen der Wasserkraftanlagen, andere finden an der Versickerung im Mooswald den Weg zurück nicht.

Regionale Wassertage: 4./5. April, Vorträge und Arbeitsgruppen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Dreisam, Aula der Pädagogischen Hochschule. Vollständiges Programm: www.regiowasser.de. Anmeldungen: Fax 0761/ 288216, E-mail: post@regiowasser.de. Sonntag, 30. März, bei gutem Wetter Infostand am Max-Müller-Steg (Höhe Berthold-Gymnasium)



Original-Link: http://www.badische-zeitung.de/1049103623458



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