Kinderstuben für Bachforellen
Rebland-Kurier vom 21. Februar 2002

 

Abschrift:

Fortbildung für Gewässerwarte / Interessengemeinschaft Dreisam aktiv

Ihringen-Wasenweiler. Im Oktober 2001 gründeten die Angelsportvereine Bahlingen, Bötzingen, Eichstetten, Gottenheim, Neuershausen und Wasenweiler in Kooperation mit dem Landesfischereiverband (LFV) Baden die Interessengemeinschaft Dreisam. Am Samstag, den 16. Februar hatten sie die Öffentlichkeit zu einer Fortbildungsveranstaltung für Gewässerwarte eingeladen.

Der Vizepräsident des LFV, Norbert Eisenring, und Gastgeber Otto Menner vom ASV Wasenweiler konnten über 60 aktive Mitglieder der IG, die Bürgermeister Gerhard Breisacher (Bahlingen), Martin Obert (Ihringen), Ortsvorsteher Richard Jais (Wasenweiler), zahlreiche Bürger sowie Fernsehteams und Pressevertreter begrüßen.

Die IG Dreisam hat sich die Aufgabe gestellt, in ehrenamtlicher Arbeit für die Renaturierung und Wiederherstellung der Gewässervernetzung der Alten Dreisam, der Dreisam (Kanal) und ihrer Zuflüsse zu sorgen. Dazu gehören neben der Aufklärung zur Vermeidung von Gewässerschäden und der Zusammenarbeit mit den Anliegergemeinden auch praktische Tätigkeiten wie Schutz, Hege und naturnahe Bewirtschaftung. Gegenwärtig werden dafür 80 Prozent der aufgewendeten Freizeit der Angelsportler eingebracht.

Claudio Schill, Biologe und Ausbilder vom LFV, erläuterte den Anwesenden am Samstag, dass die Verbauung der Fließgewässer und eine oftmals ökologisch unverträgliche Gewässerunterhaltung durch die Gemeinden (deshalb hätte man gerne alle Bürgermeister dabei gehabt) für eine Strukturarmut und einen chronischen Mangel an geeigneten Laichplätzen verantwortlich sind.

Deshalb ist ein Besatz mit Fischen notwendig. Der Schaffung solcher "Kinderstuben" diene die Fortbildung mit dem Thema "Kiesbettschlupf - eine Möglichkeit der naturverträglichen und kostengünstigen Bewirtschaftung von Fließgewässern mit Bachforellen". Dabei werden keine Fische ausgesetzt, sondern die befruchteten Eier in das eigens angelegte Kiesbett eingespült. Die Erfolgs- und Überlebenschancen sind wesentlich höher als der Besatz mit erwachsenen Fischen. Die nach einigen Tagen geschlüpften Fischlarven und die daraus wachsenden Jungfische sind mit dieser Methode sofort an das spezielle Gewässer und dessen Nahrung angepasst; die Überlebensrate liegt bei rund 90 Prozent.

Die Gewässerwarte konnten am praktischen Beispiel unter Schills fachlicher Anleitung die Arbeiten zum Kiesbettschlupf erlernen. Die am Riedgraben versammelten Fachleute und Laien verfolgten wissbegierig das Geschehen im Wasser. Mit diesen und anderen Kursen des LFV sind die Gewässerwarte in der Lage, die von ihrem Verein gepachteten Gewässer ökologisch verträglich und nachhaltig zu bewirtschaften.

Monika Mylius


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