Äschen-Projekt
der IG Dreisam e.V.
 

Das Äschen-Projekt der IG Dreisam soll helfen, den gefährdeten Fortbestand der Äsche (Thymallus thymallus) im Oberrheingebiet und speziell im Dreisamsystem (Dreisam, Alte Dreisam - Mühlbach) zu sichern. 

Laut einem fischereibiologischen Gutachten des Büros LimnoFisch könnte die lokal verschwundene Äsche im Gewässersystem Alte Dreisam - Mühlbach bei entsprechender Strukturaufwertung wieder eingebürgert werden. Eine Stützung des Äschen-Bestandes im Oberrheingebiet insgesamt erscheint sinnvoll, da aktuell vielfältige Gefährdungen für diese Fischart vorliegen.

Der potenziell natürliche Fischbestand im Oberrheingebiet entspricht der Äschenregion (Hyporhithral) mit Übergang zur Barbenregion (Epipotamal). Somit müssen zunächst die ökologischen Anforderungen der Leitfischarten Äsche und Barbe sowie ihrer Begleitarten erfüllt werden, um nach EU-WRRL einen "guten ökologischen Zustand" bzw. ein "gutes ökologisches Potenzial" der erheblich veränderten Gewässer zu erreichen. Da derzeit im Dreisam-System einige natürlicherweise in dieser Gewässerregion häufigen Arten (Äsche, Nase) vollständig fehlen, stellt dieses Projekt einen weiteren Beitrag der IG Dreisam dar, einen "guten ökologischen Zustand" im Dreisamsystem zu erreichen.

Das zunächst auf ca. 3 bis 4 Jahre ausgelegte Äschen-Projekt der IG Dreisam wird in Zusammenarbeit mit dem LFV Baden e.V. realisiert. Derzeit werden geeignete Fliessgewässerstrecken im Dreisam-System hinsichtlich Wasserqualität, Lebensraum und Laichmöglichkeiten untersucht und anschließend kartiert. Sofern die Ergebnisse erfolgversprechend sind, soll durch einen Initialbesatz mit Äschen-Brütlingen das eigentliche Projekt starten. Regelmäßige Kontrollen in den folgenden Jahren werden den Fortbestand, das Wachstum sowie die erhoffte Verbreitung der Äschen überwachen. Begleitend wird ein umfassender Hegeplan erstellt, welcher für das gesamte Dreisamsystem anwendbar ist. Darüber hinaus sind Fortbildungsmaßnahmen für Gewässerwarte und Vorträge geplant, die das Verständnis für diese Leitfischart verbessern sollen, die einer ganzen Flussregion ihren Namen gibt.

Teilziele/Aufgaben im Äschen-Projekt:
1.
Untersuchung der ökologische Gegebenheiten
2. Evtl. Strukturaufwertungen in den potenziellen Lebensräumen
3. Kartierung der geeigneten Fliessgewässerstrecken
4. Initialbesätze
5. Regelmäßige Kontrollen
6. Hegeplan
7. Fortbildung/Informationsmanagement

 

Die Äsche Thymallus thymallus



Die Äsche ist auf der Roten Liste in die Gefährdungskategorie 3 (Rote Liste Status BRD) - Gefährdet - eingeordnet. Sie gehört also zu den Arten, deren Bestände regional oder vielerorts lokal zurückgehen, anhaltend niedrig und lokal verschwunden sind.

Die Äsche konnte sich im Laufe der achtziger Jahre aufgrund der verstärkten Gewässerreinhaltung wieder etwas erholen und trat in kleineren und mittelgroßen Flüssen wieder häufiger auf. Es zeigte sich jedoch, daß die Äsche nur in morphologisch gut strukturierten Flußbereiche zurückkehrte und ausgebaute Flußstrecken mied. Auch schwanken die Populationen in ihrer Größe noch sehr stark. In trockenen Sommern mit geringem Abfluß scheinen einzelne Flußbereiche wieder verlassen zu werden. Derzeit wird der Einfluß stark zunehmender Kormoranbestände auf die Laichpopulation der Äsche diskutiert.

Obgleich sich die Situation gegenüber der 1. Fassung der Roten Liste (stark gefährdet) etwas besserte, liegt noch eine deutliche Gefährdung vor. Dies ist insbesondere deshalb der Fall, weil sie aufgrund der Verbauungssituation oft nicht selbständig in geeignete Gewässerbereiche zurückkehren kann.


 

Äsche (Thymallus thymallus)

Charakteristika und allgemeine Ansprüche
Die Äsche (Thymallus thymallus) kommt in kleineren, sauberen und strukturreichen Flüssen mit Kies- und Sandgrund vor. Sie ist die Charakter- oder Leitart der sogenannten Äschenregion der Fließgewässer. Die Fische stehen oft in Gruppen zusammen, nur während der Laichzeit werden kleinere Reviere bezogen und verteidigt. Die Fortpflanzung erfolgt in den Monaten März bis Mai auf kiesigem, überströmtem Substrat im relativ flachen Wasser. Die Äsche hat vergleichsweise hohe Ansprüche an die Wasserqualität und an bestimmte Strukturelemente. Trotz der Erfolge in der Reinhaltung der Gewässer ist die Bestandssituation der Äsche heute vielfach noch ungünstig.

Spezielle Anforderungen an den Lebensraum
Durchgängigkeit: Adulte Fische führen stromaufwärts gerichtete Laichwanderungen durch, wobei Wanderstrecken bis zu 7 km Länge nachgewiesen wurden.

Gewässersohle (Substrat, submerse Vegetation)
Eier, Brut: Larven bleiben nach dem Schlüpfen einige Tage im Lückensystem der Kiessohle. Brütlinge bis ca. 2,5 mm Körperlänge halten sich im Freiwasser auf.
Juvenile: Anfangs Aufenthalt in strömungsarmen Zonen an deckungsreichem Ufer bei bodengebundener Lebensweise, später werden flache "Riffles" (10-40 cm Tiefe) bevorzugt.
Adulte: Die Fische stehen bevorzugt frei in Kolken oder in tiefen Bereichen in der Nähe von Unterständen wie Blöcken, unterspülten Ufern oder in das Wasser ragender Ufervegetation.

Laichhabitat
Zum Ablaichen werden flach überströmte Kiesbänke benötigt. Substrat "erbsengroß" (=Feinkies); Substratzusammensetzung: 5-15 % Sand, 40-70 % Fein- u. Mittelkies, 20-30 % Grobkies und Steine >10 cm Durchmesser. Unterstände in Laichplatznähe müssen vorhanden sein.

Uferbereich
Juvenile: Anfangs Aufenthalt in strömungsarmen Zonen an deckungsreichem Ufer bei bodengebundener Lebensweise, später werden flache "Riffles" (10-40 cm Tiefe) bevorzugt.
Adulte: Äschen stehen bevorzugt frei in Kolken oder in tiefen Bereichen in der Nähe von Unterständen wie Blöcken, unterspülten Ufern oder in das Wasser ragender Ufervegetation; diese Unterstände sind insbesondere in der Nähe der Laichplätze von Bedeutung.

Fließgeschwindigkeit
Eier, Brut: Zur Eientwicklung werden zwischen 0,3 und 0,9 m/s (im Mittel 0,5 m/s) benötigt, gemessen über Grund; Brütlinge (bis ca. 2,5 mm Körperlänge) halten sich im Freiwasser bei Strömungsgeschwindigkeiten bis zu 0,3 m/s auf.
Juvenile: Anfangs im Uferbereich bei Fließgeschwindigkeiten <0,2 m/s, später im Hauptstrom bei Strömungsgeschwindigkeiten von 0,2 bis 0,4 m/s.
Adulte: Keine genauen Angaben bekannt.

Wassertiefe
Eier, Brut: Keine genauen Angaben bekannt.
Juvenile: Stehen tagsüber auf Kiesbänken im Hauptstrom in größerer Wassertiefe, während nachts flachere Uferbereiche mit Wassertiefen von 0,1 bis 0,4 m aufgesucht werden.
Adulte: Generell werden größere Wassertiefen von mehr als 1,0 m bevorzugt.
Laichhabitat: Zum Laichen muss die Wassertiefe mindestens die Körperhöhe (=10 cm) erreichen, bevorzugt werden 0,1-0,7 m.

Gewässerbreite
Juvenile, Adulte: Hauptvorkommen liegt in Fließgewässern zwischen 5 und 20 m Breite.

Wassertemperatur
Eier, Brut, Juvenile und Adulte: Verbreitungsgrenze bei mittlerer Sommertemperatur von etwa 17 °C. Optimum von 4-18 °C, >18 °C bereits kritisch; kurzfristig werden max. 23 °C toleriert. Das Ablaichen erfolgt ab 5 °C.

 

LimnoFisch * Dipl.-Biol. / öbv SV H. J. Troschel * Herrenstr. 5 * 79232 March * 07665/4768 9

 

 

Siehe auch [Äschenlinks]
Siehe auch [weitere Projekte der IG Dreisam]

 


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