| Kiesbettschlupf nachhaltiger, naturverträglicher Bachforellenbesatz |
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Alternative zum Besatz mit laichfähigen Großfischen
Erfolgte früher eine fischereiliche Bewirtschaftung in Fliessgewässern vornehmlich durch
den Besatz von laichfähigen - also fangfähigen - Forellen, so wird heute immer mehr dazu
übergegangen, mit möglichst jungen Fischen zu besetzen.
Besatzmaßnahmen mit laichfähigen Fischen sind durch den hohen Stückpreis der Fische
unwirtschaftlich. Viele Fische überleben den Transport von der Zucht an das neue
Gewässer nicht oder verenden nach dem Besatz durch den Temperaturwechsel im Wasser.
Dadurch, daß viele Fische aus Mangel an Unterständen und Revieren abwandern, ist ein
Fischbesatz meist auch noch uneffektiv. Die teilweise unzureichend an das Leben im Bach
angepassten Fische erleiden hohe Verluste durch natürliche Feinde aus der Luft, im Wasser
und am Ufer. Die Möglichkeit des Eintrags von Fischkrankheiten in ein Gewässer ist ein
weiterer Punkt gegen den Besatz mit Großfischen.
Warum besetzen?
Kleingewässer, als Laich- und Rückzugsgebiete für zahlreiche Fischarten von
außerordentlicher Bedeutung, werden nicht selten im Rahmen ökologisch unverträglicher
Gewässerunterhaltung so massiv zerstört, daß in ihnen keine Fische mehr überleben
könnten. Viele Wiesenbäche sind ruiniert, die übriggebliebenen schnurgeraden
ausgebaggerten Gräben sind für Fische und andere anspruchsvolle Tiere und Pflanzen kein
Ersatz [Beispiel: Bilder vom Hugstetter
Johannisbach nach Sohlräumung].
Weitere Gründe für Fischbesatz können sein: Fischsterben nach Abwassereinleitung,
Ölunfällen etc., Fischbesatz zum Erhalt der Artenvielfalt oder um einen Bestand einer
Art zu stützen, uvam.
Wie ist die Vorgehensweise?
Um nun das Gewässer beispielsweise nach einer Sohlräumung für heimische Fischarten wie
z. B. die Bachforelle wieder zu erschließen, sind weitreichende Maßnahmen erforderlich.
Zunächst gilt es, für geeignete Unterstände zum Schutz vor Feinden am Land und aus der
Luft zu sorgen. Dies kann durch Pflanzung von geeigneten Ufergehölzen und durch
unterschiedliche Tiefen- und Querschnittsgestaltung im Bachbett geschehen. Das Einbringen
von Störsteinen und Strömungslenkern ist ein weiterer Schritt zur Förderung von
Strukturvielfalt und somit der Schaffung von Kleinstlebensräume - auch für die
Nährtiere und sonstigen Kleinstlebewesen.
Sind nun die Voraussetzungen an einen kiesigen Laichgrund für die Bachforelle erfüllt,
fehlt es aber häufig an laichfähigen Fischen. Eine besonders naturverträgliche und
nachhaltige Lösung des Problems ist eben der Kiesbettschlupf.
Hierbei werden befruchtete Forelleneier in das hierfür vorbereitete Kiesbett eingebracht.
Um die Eier bzw. die Jungfische im Dottersack-Stadium vor Feinden zu schützen, können
Schutzboxen (WV-Boxen) verwendet werden. Hierbei können die Jungfische die Boxen durch
schmale Schlitze verlassen, ein Raubfisch hat jedoch keine Möglichkeit an die Eier oder
Jungfische in diesen Boxen zu gelangen.
Die Vorteile des Kiesbettschlupfes liegen auf der Hand: Die Kosten für befruchtete Eier
sind wesentlich geringer als für Großfische, die Jungfische sind wesentlich besser an
ihr jeweiliges Gewässer und dessen Nahrungsvorkommen angepasst als größere Fische,
weshalb auch die Überlebensrate viel höher ist. Durch einen derartigen Fischbesatz
kann auch kein Schaden durch Überbesatz entstehen, da sich der Fischbestand vom ersten
Schlüpfen der Jungfische durch Nahrungsaufkommen und Fressfeinde selbst regelt.